Category: Interview

RA Exchange EX.434 – dBridge (November 2018)

Was ich an dem Exchange Podcast von RA so gut finde, hatte ich neulich bei der Ausgabe mit Ivy Lab schon beschrieben, nun darf Exit Chef dBridge ran. Interviewt wird er von Joe Muggs, der als Profi bereits für FACT oder eben RA schon so einige Interviews oder Artikel verfasst hat. Logisch das also auch diese 56 Minuten weniger Promo Gebabbel zum neuen Album sind sondern wir vielmehr ein bisschen in die Welt von dBridge eintauchen dürfen.

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Resident Advisor Origins: Martyn

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Ich wusste bisher nichts von der Nahtoderfahrung von Martyn und seinen Schritten zurück in die Musik, aber diese halbstündige Doku von RA erzählt seine Geschichte sehr tiefgehend und wirklich gut.

One day, while working in his studio, Martyn Deijkers’ heart stopped. It was an experience the Dutch artist feared may someday happen: he has a genetic heart defect, which caused his father, a former professional footballer, to die suddenly of a heart attack aged 56. That day in the studio, Deijkers collapsed on the floor and lay there for a full minute before his pacemaker kicked in and saved him. It was a moment that caused him to reflect on his life, his family and his music. When he was able to return to the studio, he realised something had changed. “It was clear I had to musically go back to where I came from”.

RA Exchange EX.417 – Ivy Lab (August 2018)

Ich mag den Interview Podcast “RA Exchange” von Resident Advisor sehr gerne, besonders natürlich wenn dort meine Lieblingskünstler zu Wort kommen. Nun habe ich mir die Tage auch endlich mal den mit Ivy Lab angehört und der ist mal wieder gutes Kontrastprogramm zu den üblichen Promo Interviews. Wer mit dem Namen Ivy Lab gar nichts anfangen kann, wird hier erstmal vorher ein wenig Substanz aufbauen müssen, alle anderen steigen dann gleich mit den interessanten Fragen ein.

Überrascht war ich, dass selbst Künstler auf einem Level von Ivy Lab sich Geld für ein Label beiseite legen müssen und zunächst nichts sich selbst bezahlen, sondern alles in das Label stecken. Die Frage nach den Veränderungen vom Trio zum Duo waren auch recht aufschlussreich, witzig auch das Kapitel über Jump Up (und das sie ihre Musik als Jump Up auf 85 BPM bezeichnen). Nur das Jump Up besonders in Ostdeutschland besonders angesagt sein soll konnte ich jetzt noch nicht so beobachten…

Interview: Maltin Worf [Defrostatica Records]

Am 24. August erscheint die zweite EP von Maltin Worf auf Defrostatica. Der Dresdner Produzent liefert damit seinen ganz eigenen Soundtrack zum Leben in der Stadt und den Einflüssen die uns dabei umgeben. Ich habe mir mal die Zeit genommen ein bisschen genauer nachzuhaken, was es damit auf sich hat.

 

Du hörst sicherlich viele Komplimente zu deinem Artist Namen. Wie kamst du darauf? Bist du ein “Trekkie”?

Neulich bekam ich sogar erst eine Mail mit „hottest name in the game“ haha. Eines Abends kam ich auf die Idee zwei Buchstaben meines Namens zu tauschen. So war der Name Maltin Worf geboren. Ich fand das echt spacey. Die Brücke zu Worf fiel mir dann auch auf. Ich habe als Kind gern mal Star-Trek geschaut und hatte auch eine Worf-Actionfigur. Aber ich muss gestehen, dass ich leider kein Trekkie bin.

In vielen Promotexten zu dir liest man von dem ominösen Laptop Battle an dem du teilgenommen hast. Wie lief das ab? Was hat dich dazu bewegt mitzumachen? War es eine harte Herausforderung?

2012 bekam ich eine Teilnahmeinladung von den Veranstaltern des Laptopbattles Dresden. Ein Bekannter hatte mich empfohlen. Ich war ziemlich hungrig und hatte schon eine Weile Bock auf diese Sache, da ich schon früher gern gebattled habe. Erst waren es Freestylerapbattles, später Online-Beatbattles und 2011 war ich durch einen Homie auch mal beim Beat M Up in Rotterdamm. Also zögerte ich nicht lange, fragte nach dem Reglement und wurde darüber aufgeklärt: 8 Teilnehmer bekommen eine Woche vor der Veranstaltung ein Samplepack, welches ausschließlich benutzt werden darf. Jeder Produzent muss/ sollte dann 3 Tunes à 3 Minuten produzieren. Für die Performance am Veranstaltungsabend darf ein Midikontroller der Wahl eingesetzt werden. Die Kontrahenten treten dann nach der Auslosung im K.O.-Verfahren gegeneinander an. Die Jury entscheidet wer eine Runde weiter kommt. Die ersten beiden male schaffte ich es nur auf den zweiten Platz, weswegen ich nochmal Teilnehmen durfte. Schließlich gewann ich dann 2014 bei meiner dritten Teilnahme. (Da Cuthead die ersten Laptopbattles in Folge gewonnen hat, gab es die Regel dass Gewinner nicht mehr Teilnehmen können haha.) Es war auch tatsächlich eine harte Herausforderung, da ich die Sounds in meinen musikalischen Kontext bringen musste und es nur eine Woche Zeit gab. Allerdings konnte ich dadurch auch eine ordentliche Portion dazu lernen was Sound-Design mit Samplern angeht. Es hat meinen Produktionshorizont enorm erweitert.

Du bist ja sowohl „live“ als auch als DJ unterwegs. Was ist dir lieber? Ein Live Set oder ein DJ Set? Wo sind die Vorteile?

Mittlerweile spiele ich lieber DJ-Sets. Da habe ich musikalisch mehr Möglichkeiten und bin nicht nur auf meine eigenen Sachen angewiesen. Meine Live-Sets waren ansich auch wie DJ-Sets, nur mit eigenen Tracks die ich als Stems “mixte” und dadurch mehr Eingriffsmöglichkeiten hatte. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass die Tunes gar nicht fertig sein müssen und es auch weniger auffällt, wenn der Sound nicht sooo tight ist. Mein Launchpad triggerte die Stems und meine MPD32 war dann sozusagen das Effektboard. Da ich aber nicht der schnellste Mensch im produzieren bin/ war, musste ich dadurch sehr oft die gleichen Sachen hören und spielen. Irgendwie hat mich das auf Dauer nicht mehr so befriedigt. Das brachte mich zu dem Entschluss nicht nur zu produzieren sondern auch aufzulegen. Ich musste mir auch die Frage stellen, was ich Live machen will und was ich machen kann. Da hat mir das bisherige nicht so sehr ausgereicht und ich wollte auch schon bei meiner Linie bleiben. Ein weiterer Grund für das Auflegen war, dass es nur wenig Leute gibt die “meinen Film” auflegen, haha. Da kam wieder der DIY-Gedanke insSpiel. Ich dachte auch so hätte ich die Möglichkeit ein wenig mehr Musik zu spreaden. Aber ich werde in Zukunft sicherlich auch mal wieder den einen oder anderen Live-Act spielen. Jedoch habe ich mehr Lust das eher losgelöst vom klassischen Partykontext zu machen, um mich da auch freier zu fühlen und eher als Musiker verstehen. (Mit welchem Begriff ich mich auch am meisten identifizieren kann. 😊) Aber unter’m Strich lässt sich sagen, dass ich sehr viel Liebe für beide Dinge habe.

 

Der Pressetext zum Defrostatica Release beschreibt dich als “B-boy at heart”. Damit passt du ja perfekt zu dem Label und seiner Suche nach B-boy Einflüssen in der elektronischen Musik, oder?

Ich freue mich darum sehr darüber dass ich ein Label und ein musikalisches zu Hause gefunden habe, mit dem ich mich sehr identifizieren kann und das auch nicht nur auf musikalischer Ebene. Tina & Rob sind zwei wirklich tolle Menschen und ich freue mich, dass ich auf diesem Wege auch neue Freunde gefunden habe. Meinen B-Boying-Backround habe ich sogar erst letztens erwähnt. Es war also auch keine „Zugangsvoraussetzung“ haha. Aber manche Dinge ziehen sich ja bekanntlich an.

Aber um auch mal kurz auf den Backround einzugehen: Breakdance war mein Tor zur Hip-Hop-Welt. Da erfuhr ich auch erstmal dass es sowas wie Battles gibt. Das fand ich ganz schön geil. Von da an spazierte ich durch die verschiedenen Elemente und cypherte, forderte andere heraus, forderte mich heraus, gewann und verlor. Das fühlt sich heute an wie ein kleines Heiligtum. Nach meiner kleinen, beendeten B-Boying Episode war ich trotzdem immer wieder fasziniert von verschiedenen Tanzformen mit Hip-Hop-(Kultur)-Charakter von Clowning & Krumping, über Blood- & Cripwalking, bis ich dann auch irgendwie auf Footwork gekommen bin. Ich hoffe das beantwortet die frage, haha!

“City of Meth” ist jetzt nicht der schönste Titel für deine Heimatstadt Dresden. Wie kamst du auf den Titel?

Die Bezeichnung schwirrte schon lange in meinem Kopf herum. Ich war inspiriert von den städtischen Umständen und die sich häufenden Nachrichten zum Thema Meth in Dresden. Der Artikel über die hohen Crystal-Rückstände im Dresdner Wasser hat mir den Namen letztendlich zufliegen lassen. Zu dieser dystopischen Vorstellung einer Stadt haben dann noch die montaglichen „Spaziergänge“ Perfekt gepasst. Ich kam mir vor wie ein Beobachter, der nichts machen kann, gefangen in einer ziemlich düsteren Stadt. Mein persönlicher Struggle hat die ganze Sache dann noch abgerundet.

Warum die Einteilung in zwei EPs? Gab es da ein Konzept? Ihr hättet ja auch ein Album draus machen können… ;)

Ursprünglich war nur eine EP geplant. Als ich dann am Anfang des Jahres von Rob & Tina nach einem Tune für die „Future Sound of Leipzig“- Compilation gefragt wurde, habe ich gleich ein Paar hingeschickt. Dann habe ich mal ‘ne Runde mit Robert geskyped und er machte mir den Vorschlag die neuen Tunes auch zu Releasen und für die Platte zu nehmen. Daraus machten wir dann am Ende Teil I und Teil II. Das bot sich auch an, da die Tracks mit sehr verschiedenen Mindsets entstanden sind. City of Meth I stammt aus einer Zeit in der ich mich etwas außerirdisch fühle. Ich lebte einen Struggle mit mir und meiner Umwelt. Wohingegen Teil II in einer Zeit meiner persönlichen Versöhnung und von Neubeginn entstanden ist.

Was denkst du können Drum & Bass Producer von Footwork lernen? Was können Footwork Producer von Hip Hop lernen?

Ich kann garnicht mal sagen wer von wem was lernen könnte. Ich habe das Gefühl, dass sich diese Genres ohnehin gegenseitig an einigen Ecken beeinflussen. Wobei für mich gefühlt Hip-Hop die Base ist. Bei mir entscheidet meistens auch eher der Vibe und auf welche Riddims ich gerade mehr bock habe. Das bezieht sich sowohl auf mein Hören als auch mein Produzieren (wo ich gern dazu lerne).

Siehst du dich mit deinem Sound in einer Nische? Frustriert das manchmal?

Für mich ist das was ich mache eigentlich immernoch Hip-Hop, nur in einer aufgebrochenen Form. Das ist das, was ich früher auch an der LA Beatscene so geil fand. Dass ich mich in einer Nische befinde merke ich dann nur durch das, was musikalisch um mich herum passiert oder eben nicht passiert. Das hat mich auch lange Zeit sehr frustriert und mir viel Energie geraubt, auch gerade im Bezug auf Dresden. Ich hatte ein starkes Gefühl von musikalischer Einsamkeit (was meinen Geschmack und das Produzieren angeht). Doch dank dem Internet und meinen Anschluss an Leipzig wusste ich auch stets dass ich kein Alien bin. Heute beschäftige ich mich auch nicht mehr mit dem was nicht ist und sehe das Negativ, sondern beschäftige mich mit dem was ist , sehe das Positiv um meine Energie daraus zu schöpfen. Also zumindest gebe ich mein bestes das zu versuchen, haha. Mittlerweile sehe ich es als etwas Besonderes mich in einer „kleinen“ Nische mit einer coolen Community zu bewegen.

Meinst du Footwork wird es noch weiter in den Mainstream / deutsche Clubs schaffen? Im Moment geht meiner Meinung in der Richtung nur was  wenn Teklife drauf steht…?!

Ich würde mich echt darüber freuen. Aber ich kann da echt keine Prognose treffen. Ich rätstel da schon seit ein paar Jahren. Wir sollten aber die Hoffnung nicht aufgeben.

Wie sieht das mit Parties in Dresden in der Richtung aus?

Leider sieht das auch eher Mau aus. Aber Dresden verhält sich da auch sehr schwer mit Parties, die sich nicht im (derzeitigen) subkulturellem Mainstream oder den altbewährten Genres bewegen. Eine Entwicklung sehe ich da leider auch nicht. Der Мainstream möchte leider keinen Raum schaffen (z.B. durch Bass-Sidefloors). Das macht es der Musik auch noch schwerer sich mehr zu etablieren. Es gibt aber auch ein paar Crews die ab und an etwas davon beimischen. Das ist sicherlich der auch Platz für Shout outs haha. Also gehen die raus an Funkey Monkey, Deeper Access, FormerCity Records, das N-ICE Kollektiv und Infinite Sequence. <3

 

Die neue 12″ auf Defrostatica könnt ihr wie immer bei Bandcamp pre-ordern und anhören.

 

 

 

Interview: Paradise Lost / The Gates of Charon Compilation

Ich kann mich noch gut an ein Gespräch mit Robotic erinnern, als er mir von dem Vorhaben berichtete einen Soundtrack für einen imaginären Film auf seinem Paradise Lost Label zu veröffentlichen. Die Idee und das dazugehörige Gespräch liegen nun schon einige Zeit zurück, doch nun endlich ist das Mammut Projekt fertig gestellt. Es hört auf den Namen The Gates of Charon und bei den 26 Tracks sind einige bekannte Namen aus dem Paradise Lost Roster wieder mit am Start. Aber es gibt auch Tracks von Produzenten, die man bisher noch nicht vom Label kannte, deren Namen aber durchaus bekannt sein dürften.

Alle haben sie die unterschiedlichsten Tracks produziert, die aber alle zum gemeinsamen Thema passen und wie oben schon geschrieben perfekt als Soundtrack funktionieren.

Ich habe per Mail ein kleines Interview mit Geoff (Besitzer und Gründer von Paradise Lost) und Robotic (A&R Manager) geführt, bei dem die beiden mir einiges über das Label, ihre Ideen, die Geschichte und eben die neue Compilation erzählt haben.
Ich habe mich dazu entschieden, die Antworten in Englisch zu lassen, da ich in letzter Zeit bei Interviews immer mehr Leute aus dem Ausland als Leser/innen hatte, die das ganze dann (zuverlässig) mit Google Translate übersetzt haben und so gelesen haben. Es macht also keinen Sinn alle Fragen und Antworten einmal von Englisch ins Deutsche zu übersetzen, wenn das am Ende dann wieder von einer Maschine gemacht wird.

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Equal – Not Equal?

Die Ereignisse der letzten Woche haben mal wieder eins sehr deutlich gezeigt. Sexismus, Neid und Machogehabe sind in der Clubkultur und DJ Szene leider immer noch weit verbreitet und teils sogar “akzeptierte” oder geduldete Meinungen.

Paula Kittelmann hat zu diesem Thema einen sehr guten Artikel auf Mephisto veröffentlicht, bei dem sie mit Akteurinnen der elektronischen Musikszene gesprochen hat und sie zu dem Thema interviewt hat. Und weil meiner Beobachtung nach bei dem Thema auch so häufig wieder Männer als Erste diskutieren und sich am schnellsten zu Wort melden ist es interessant vier Meinungen von Frauen zu hören.

https://mephisto976.de/news/equal-not-equal-61091

Adam F erzählt uns etwas über sein Album Colours

Für 12edit ist Adam F sein 1997 veröffentlichtes Album Colours Track für Track durchgegangen und erzählt uns so wie die Tracks entstanden und was er sich dazu gedacht hat. Auch wenn die Überschrift “best drum ’n’ bass album of the 90s” ein wenig übertrieben ist, ist das Album dennoch ein wichtiges Release aus dieser Ära mit Klassikern, die viele Heads von Heute auch immer noch gerne hören. Sam Binga hat das mal auf facebook mit Wasted Days gemacht und ich finde sowas immer sehr interessant. Gerade da ich als “Nicht-Produzent” mit so rein technischen Videos von Entstehungsprozessen am Rechner/DAW wenig anfangen kann, sind diese persönlichen Geschichten hinter den Tracks sehr interessant. Hier geht es zum Interview, das ganze Album könnt ihr unten noch einmal in voller Länge anhören.