Interview: Kabuki (V Recs, New Forms, Frankfurt)

Bild © Robert Winter.

Kabuki. Seit den frühen 90ern als DJ und Produzent aktiv, Album und Singles für Labels wie Reinforced, V Records oder das Hard:Edged Label des Watergate Clubs, als dort noch regelmäßig Drum & Bass aus den Boxen schallte und man noch nicht das doppelte an Miete zahlen musste. Und nebenbei mal eben mitverantwortlich für einen der Techstep Klassiker mit Ghost in the Shell Sample. Und dann immer noch so hungrig nach neuer Musik und aktuellen Einflüssen, das er es nicht nötig hat seinen alten Sound zu recyclen sondern sich immer weiter entwickelt. So greifen seine neuen Tracks für Defrostatica, Vandal LTD oder Through My Speakers gerne die “alten” Jungle Sounds wieder auf, werden von Kabuki aber mit frischen Ideen und Samples aus Juke, Hip Hop oder Dubstep aufgefrischt.

Ein spannder Charakter also, dem ich in diesem Interview mal ein paar Fragen gestellt habe, die ihn laut eigener Aussage “lange zum Grübeln” gebracht haben. Von daher geht es auch direkt ohne viel Vorgeplänkel los, wie er seinen Tag verbringt oder woher sein Artist Name stammt könnt ihr in zahlreichen anderen Interviews nachlesen.

 

Du hast als Produzent schon auf namenhaften Labels wie Reinforced oder V Records veröffentlicht, waren das “Träume” von dir?

Wenn du mir 1996 gesagt hättest, dass ich eines Tages eine LP auf V Records veröffentlichen würde, dann hätte ich dir das wahrscheinlich nicht geglaubt. Aber man nähert sich seinen Zielen ja immer nur in kleinen Schritten, deswegen erscheint es dann am Ende eben auch wie eine logische Entwicklung wenn so etwas passiert.

Kannst du erzählen wie das Release mit Reinforced zustande kam?

Daniel Savine spielte damals unsere gemeinsam produzierten Tracks im Reinforced HQ vor, und die haben direkt „Invader“ und „Clink Street“ unter Vertrag genommen. Ich weiß
noch wie er mich in Tokyo anrief, dass eine Single von uns auf Reinforced veröffentlicht wird! Ein klassischer Fall von zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Apropos: Dein liebstes Reinforced Release?

Da nehme ich mal einen etwas obskuren Release aus dem Katalog: RIVET 131 – Steve Alexander „Isometric 2“. Der Track „Not Invented Here“ hatte mich damals dazu inspiriert, mehr mit Live-Instrumenten zu experimentieren.

Das Konzept von der “New Forms” Partyreihe hat mir sehr gut gefallen (also tagsüber gemeinsam einen Track bauen, abends gemeinsam im Club auflegen). War es nicht manchmal schwer unter Zeitdruck einen Track zu bauen? Geht man dann Kompromisse ein (okay, ich lass das jetzt so), wie spricht man sich zu dritt im Studio ab oder lässt man es einfach auf sich zukommen? Oder seid ihr mittlerweile solche Profis das euch der Zeitdruck nicht mehr stört?

Ich glaube, man muss lernen Dinge von einem anderen Standpunkt sehen bzw. hören zu können. Wenn man ein Controlfreak ist und anderen Musikern keinen Raum lassen kann, dann ist man in solch einem Setting natürlich fehl am Platz. Es gibt immer mal wieder Momente in denen man den Druck spürt – da muss man dann einfach cool bleiben und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben das Ding über die Ziellinie zu bringen. Interessant finde ich, dass nach den ersten 30 Minuten meistens alle wichtigen Elemente stehen; den Rest der Session verbringt man dann lediglich damit, diese in Form zu bringen.

Die Tracks, die bei den New Forms Session entstanden sind, gab es ja meist als Download dirket nach den Parties. Jetzt gab es zur letzten Party alle Tracks nochmal auf Vinyl. Was meinst du: Sind Vinyl Releases immer noch höher angesehen als digitale Releases?

Ich glaube, Vinyl hat immer noch den Vorteil der „Haltbarkeit“. Wenn eines Tages digitale Formate wie MP3 oder Wave nicht mehr abgespielt werden können, dann kann man eine
Schallplatte aus Vinyl immer noch hören.

Bei der New Forms lief ja quasi “Zukunftsmusik”. Was kommt deiner Meinung nach diesem vom Hip Hop infizierten Halfstep Sound?

Mir macht es aktuell viel Spaß mit dem Tempo zu spielen. Zum Beispiel mag ich den Vibe, wenn man Jungle-Breaks auf 130 BPM runterpitcht, ähnlich wie ich das bei meinem Remix für KDA auf Ministry of Sound gemacht habe. In diese Richtung werde ich noch weiter forschen.

Und wo wir schon bei Zukunftsmusik sind: Kannst du schon etwas zur nächsten Edition von New Forms sagen?

Soviel steht fest: Season Two wird nicht in Europa stattfinden. Aber dank Livestream wird man uns dann natürlich immer noch im Studio über die Schulter schauen können. Und es gibt außerdem Specials wie die New Forms im Robert Johnson, hier steht das nächste Event im Oktober an.

Die Tracks in Berlin entstanden ja in den Red Bull Studios, die Firma steht ja aktuell nach dem Interview des Chefs sehr in der Kritik. Siehst du die RBMA losgelöst von Red Bull als Firma oder wie stehst du zu der Thematik?

Ich denke man muss mit dem Thema Sponsoring kritisch umgehen, wenn es da für mich starke inhaltliche Widersprüche mit der Marke geben sollte dann lasse ich mich lieber nicht
auf eine Kooperation ein. Und auch wenn ich schon seit 1997 mit Red Bull arbeite, so schaue ich mir natürlich trotzdem kritisch an welche Entwicklungen solch eine Brand durchläuft.

Auf deiner neuen EP für Vandal LTD befinden sich ausschließlich Kollaborationen mit anderen Künstlern. Macht dir das einfach mehr Spaß oder steckte da ein Konzept dahinter?

Ich wollte für diese EP gerne vier Stücke auf unterschiedlichen Tempi produzieren, und dafür mit Musikern aus verschiedenen geografischen und stilistischen Backgrounds arbeiten. Das war eine spannende Erfahrung, denn mit jeder Kollaboration habe ich etwas Neues gelernt.

 

Der Name der EP (Rodinia) steht ja quasi für eine (verbundene) Welt. Wolltest du damit auch ausdrücken was Kollaborationen oder Musik allgemein bewirken können?

Musik ist für mich eine universelle Sprache, über die ich beinahe alle Menschen die mich umgeben kennengelernt habe. Sie ist vor allem ein Art „Equaliser“, denn du wirst eher
darüber definiert was du machst, als woher du kommst oder wer du bist.

Wie kam die Arbeit mit dem Defrostatica Label zustande? Du bist ja bereits beim ersten Release auf Bandcamp mit einem Zitat vertreten…

Robert und ich kennen uns noch aus alten Jungle-Zeiten, hatten aber irgendwann nach der Jahrtausendwende den Kontakt verloren – Juke brachte uns dann aber wieder zusammen. Tina und Robert machen das Label mit so viel Herzblut, das kann man nur respektieren.

Die neue EP auf Defrostatica ist als “Homage an die internationale B-Boy Kultur” gedacht. Hattest du das beim Produzieren des Tracks bereits im Kopf? Bist du selbst ein B-Boy?

Ich hatte mir schon ein paar Gedanken dazu gemacht, wie ich dieses Konzept auch musikalisch umsetzen kann. Statt der typischen 808 Sounds stammen die Drums bei „South Bronx Subway Riddim“ von einer alten Breakdance-Platte, und ich habe klassische Synth-Sounds a la Egyptian Lover oder Kraftwerk nachgebaut. Auch wenn ich zwar nie im Breakdance oder Graffiti aktiv war, so fand ich den DIY-Gedanke hinter der B-Boy Bewegung immer schon inspirierend. Ich bin also quasi ein „B-Boy at heart“ :)

 

Du kommst ja ursprünglich aus Frankfurt. Ich habe die Stadt jetzt nie so als DnB Hauptstadt gesehen, im Gegensatz zu Mannheim bspw. Jetzt gibt es da wieder einige Events habe ich gesehen, hat sich da etwas gewandelt?

In Frankfurt gab es schon Anfang der Neunziger eine lebendige Breakbeat-Szene. Bryan G. hat mir erzählt, dass er eines seiner ersten Auslandsbookings in Frankfurt gespielt hat. Für mich war aber vor allem der musikalische Einfluß der in Hessen stationierten GIs prägend, über sie lernte ich Hip Hop zum ersten Mal kennen – authentisch in einer amerikanischen Kaserne. Leider ist es aber mittlerweile die Zahl der aktiv Musikinteressierten Clubgänger arg zurückgegangen, und es wird immer schwieriger Events abseits des gängigen Techno/House-Mainstreams zu etablieren.

Denkst du es geht heute als Produzent nicht mehr ohne Youtube/Snapchat/Instagram/Twitter/Facebook Account? Muss der Content auf diesen Seiten zu 100% auf der Musik liegen oder sind Memes und lustige Videos auch eine nette Zugabe?

Das hängt glaube ich hauptsächlich mit der Persönlichkeit des Künstlers zusammen. Manche sind extrovertierter und haben keine Probleme damit sich in der Öffentlichkeit zu inszenieren. Für mich ist Social Media eine tolle Möglichkeit mit meinen Fans oder anderen Künstlern in Kontakt zu treten, und viele meiner Kollaborationen waren das Ergebnis einer Konversation auf Twitter oder Soundcloud. Ich finde aber, man muss auf solchen Kanälen aber auch immer „real“ bleiben, dass kann sonst schnell nach hinten losgehen.

 

Wer ihm auf einem seiner Social Media Kanäle folgen will, findet Kabuki bei facbeook, twitter oder soundcloud.

One comment

  1. Pingback: Kabuki – Rodinia EP [Vandal LTD] | punchblog.de

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