Interview: dreadmaul (Boundless Beatz, Mainz)

dreadmaul. Dieser Name steht wohl gerade wie kein zweiter für ganz besonderen, rhythmischen und düsteren Drum & Bass. Als Jugendlicher hat der Mainzer Produzent die Trip Hop Beats von Portishead, Massive Attack oder Glen Porter aufgesogen und bindet diese speziellen Stimmungen und Arrangements nun immer wieder in seine eigenen Produktionen ein. Zunächst produzierte Dennis auch Trip Hop und es dauerte einige Jahre, bis er sich an Drum & Bass wagte. Als dann die ersten Tunes auf 174 BPM entstanden, war aber recht schnell klar wo die Reise hin gehen wird. Seine Produktionen sind bekannt für ihre atmosphärischen Intros und lange (Vocal-) Samples. So kann es passieren, dass man sie am liebsten gar nicht in andere Songs reinmischen möchte, damit diese Stimmung erhalten bleibt und sich ohne Störung aufbauen kann. dreadmaul gelingt es dann aber auch perfekt diese Atmosphäre den ganzen Track lang zu halten, so dass man sich komplett darin verlieren und von der Dunkelheit aufsaugen lassen kann.

 

Seine neue EP auf dem Boundless Beatz Label ist mal wieder ein perfektes Beispiel für den oben beschriebenen Sound, Grund genug ihm zwischen dem Auspacken von Umzugskisten und dem Einrichten der neuen Wohnung ein paar Fragen zu stellen.

Ich habe ja eingangs schon über deinen Weg von Trip Hop zu Drum & Bass gesprochen. Nun bist du schon ein paar Jährchen in dieser Geschwindigkeit zu Hause. Wie gehst du beim Produzieren vor? Fließt deine Kreativität ständig oder brauchst du gewisse Rituale/bevorzugst du bestimmte Tageszeiten?

Ich bin schon seit jeher eher eine Nachteule. Ich finde nachts ist es einfach leichter einen Flow zu finden. Aber generell kann ich nich sagen, dass ich besondere Rituale oder so habe. Und wenn keine guten Initialzündungen stattfinden gibt es immer Projekte an denen man weiterarbeiten kann.

Ist das die beste Maßnahme für Situationen in denen nichts mehr geht und der „”Writers Block“” eintritt?

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die man ergreifen kann, je nach Situation. Gegen generelle Ideenlosigkeit hilft mir häufig, einige Tage keine Musik zu machen und mich auf Inspirationssuche zu begeben. Manchmal lohnt es sich auch einfach mal einen Abend lang Samples zu recorden und zu editieren anstatt das 54359. neue Projekt anzufangen.

Und was macht man dann mit dem 54359. neuen Projekt das nicht 100% fertig gestellt wurde? Immer mal wieder in Ableton/Fruity Loops/whatever laden und dran rumschrauben oder einen Ordner mit dem Namen “Friedhof” anlegen und sie dort sterben lassen?

Ich habe tausende angefangene Projekte, mittlerweile nach Jahren sortiert. Aber diese zu löschen traue ich mich nicht, es könnte ja doch eine gute Idee dabei sein.

Hast du irgendwelche Ziele auf welchen Labels du deine Tracks sehen willst?

Viele! Man kann sich dazu ja gerne die Tracklists meiner Mixe anschauen. Einige Namen, wie beispielsweise ThirtyOne Recs oder CX:Digital wird man sicherlich häufiger lesen. Und dieses Jahr wird es voraussichtlich sogar zwei Releases auf Labels geben, die definitiv unter diese Kategorie fallen.

Wo wir gerade bei Labels sind: audite und Dubbalot waren ja (mit) die ersten, die deine Musik rausgebracht haben. Fühlst du dich dem Boundless Beatz Label „verpflichtet“?

Die Verbindung zu Boundless Beatz und insbesondere zu Jan ist natürlich eine ganz besondere. Dass die Jungs meine “Herzblut”-Projekte releasen und mir die Möglichkeit geben, mich ohne große Anleitungen mein Ding machen zu lassen ist nichts Selbstverständliches und dementsprechend groß ist meine Wertschätzung für die beiden.

 

Woher stammen eigentlich diese “Voodoo”-Einflüsse? Und: Muss man einen Ayahuasca Trip selbst mitgemacht haben um ihn vertonen zu können? ;)

Die Inspiration für den Ayahuasca Tune kam mir während einer Doku (überrascht natürlich wenig bei der Samplewahl ;) ). Ich bin schon seit langer Zeit sehr interessiert an allem Voodoo-Assoziierten. Darüber hinaus ist es eine tolle Welt um sich künstlerisch auszutoben.

 

Manch einer könnte annehmen bei so viel düsteren Drum & Bass Tracks braucht man irgendeinen Ausgleich. Produzierst du nebenbei lockere Ambient Stücke oder bist als Ghostwriter an fröhlichen House Tracks beteiligt?

Also, die meisten Projekte werden von sich aus schon irgendwann düster. Und grade die Darkness hat mich damals so zum Drum & Bass gezogen.

 

Denkst du es geht heute als Produzent nicht mehr ohne Youtube/Snapchat/Instagram/Twitter/Facebook Account? Oder helfen lustige Memes auch nicht dabei gute Tracks zu schreiben und gesigned zu werden?

Ich denke, dass muss jeder Künstler für sich entscheiden. Ich hab sowohl Calibre, der keine eigenen Social Media Profile hat, als auch Nomine, der jeden Tag Videos postet, auf dem Schirm.

Hörst du privat nur Drum & Bass oder lässt du dich auch von anderen Musikstilen beeinflussen?

Privat stellt Drum & Bass manchmal sogar nur einen kleinen Anteil der Musik, die ich höre. Es ist ganz wichtig, seinen musikalischen Horizont breit zu halten.

Im Moment gründet ja gefühlt jeder zweite Produzent sein eigenes Label. Hast du auch schon ein dreadmaul Label in Planung?

Ich glaube dafür muss ich erstmal noch etwas bekannter und etablierter werden, bevor ich mir darüber Gedanken mache.

 

Auch wenn da erst mal kein Label geplant ist, bin ich gespannt was dreadmaul noch so für uns auf Lager hat. So lange könnt ihr erst mal sein neuestes Release auf Boundless Beatz auschecken oder euch in die Tiefen seines Deeper Access Mixes ziehen lassen.

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