The Range – Potential [Domino]

Vor kurzem hat der New Yorker Produzent James Hinton aka The Range den Nachfolger zu seinem 2013 auf Project: Mooncircle / Donky Pitch erschienenen Album Nonfiction veröffentlicht. Die LP hört auf den Namen Potential und auch hier war, wie bei Nonfiction, YouTube für Hinton eine einzig große Sample Datenbank. Er durchsuchte das Portal stundenlang nach Clips von Sängern, Rappern oder Amateuren und samplete deren Vocals dann für seine eigenen Tracks. Wie zum Beispiel bei dem herrlich frühlingshaften Track Florida, für das ein mehr oder weniger gutes Cover von Ariana Grande’s You’ll Never Know Pate stand.

Er machte sich sogar die Mühe jeden YouTube Künstler persönlich anzuschreiben, die Rechte für die Samples abzuklären und ihn / sie an den Verkäufen des Albums zu beteiligen. Eine sehr faire Geste, die in den modernen Zeiten des Samplings nicht gerade üblich ist. Manch ein Produzent reagiert eher mit Wut oder Agression auf das “Ausplaudern” der Sample Quellen und möchte sie lieber für sich behalten. Oftmals auch aus dem einfachen Grund, da sie bei Underground-Künstlern nicht geklärt sind. So gibt es aber auch schon ganze Reddit Einträge, wo Nerds die Metal Gear Solid und Ray J Samples von Burial offenbaren. Whosampled.com bleibt das alles natürlich auch nicht verschlossen und heutzutage gibt es ja sogar Freaks die Songs komplett in Ableton nachbauen.

The Range hat eine sehr eigene Herangehensweise an die Vocal Samples. Es klingt fast so, als würde er sie als eigenes Instrument benutzen und seine Beats dann perfekt den Emotionen und der gesamten Stimmung des Tracks anpassen. Am deutlichsten fällt mir das bei Five Four auf, bei dem er einen Freestyle der beiden Londoner Grime MCs Ophqi und Superior Thought als Grundsubstanz für seinen Track verwendete. Die wackeligen Freestyle Videos mit schlechten Tonaufnahmen der beiden bekommen selten mehr als 100 Klicks. Das Acapella ist an sich schon nicht schlecht, die Aussagen des Textes auch sehr gut, aber erst mit diesem melancholischen Piano und den perfekt gesetzten Footwork Beats bekommen die Vocals eine ganz neue Grundlage. Das liegt natürlich auch an der Art und Weise wie Hinton die Vocals setzt. Abgeschnitten und neu gesetzt, bekommen sie beinahe eine neue Bedeutung und man hört teilweise etwas anderes heraus, wenn er sie blitzschnell hintereinander abspielt und loopt. Das Video zu Five Four hatte ich hier auch schon im Blog, dort bekommen die beiden MCs auch noch eine Würdigung.

Das Konzept des YouTube Samplings geht bei seinem Album komplett auf, wie beschrieben wirken die Vocals wie eigens für sein Album produziert, da Hinton’s Beats perfekt mit ihnen harmonieren und eine Symbiose eingehen. Er selbst sagt dazu:

Der Gastauftritt eines bekannten Sängers oder Newcomers ist ein Konzept, das heute in der elektronischen Musik weit verbreitet ist. Ich will da nicht mitmachen. YouTube-Samples haben ihren Platz in der Popkultur verdient. Sie sind oft wahrer, ehrlicher. Im Studio versucht jeder, den perfekten Take zu singen. Man ist umgeben von Technikern und Produzenten und arbeitet so lange gemeinsam daran, bis eine Stelle perfekt ist. Bei YouTube setzen sich die Menschen oft zu Hause vor ihren Laptop, singen einen Take eines Songs, der ihnen viel bedeutet, und verlieren sich dabei völlig in der Musik. Da entstehen für mich die wirklich brillanten Momente.

Dem kann ich nicht mehr viel hinzufügen, außer das die Videos der gesampleten Künstler mittlerweile mit dem Hinweis “The Range brought me here” immer mehr Klicks bekommen. Vielleicht trifft der Albumtitel damit dann perfekt auf sie zu.

Das Album ist bereits seit dem 25. März releast und dank dem Major Label auch in allen gängigen Shops vertreten.

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  1. Pingback: The Range – Resident Advisor Podcast 521 (Juni 2016) | Robyn Thinks

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