Interview: TKR

Es ist Samstag nachmittag und das erste Mal so richtig schön warm in diesem Jahr und ich beschließe, dass dies der richtige Zeitpunkt für ein kleines Interview ist. Mit leichten Kopfschmerzen starte ich die Konversation und treffe auf einen ebenfalls vom Kopfschmerz geplagten TKR. Ideale Vorraussetzungen um unsere beiden Gehirne kurzzuschließen und Gedanken auszutauschen.

Stell dich doch bitte einmal kurz vor!

TKR: Ich heiße Thomas Schwarz und bin am 25.08.1982 in Rudolstadt / Thüringen geboren und wohne seit 2003 in Jena.

Wie kamst du auf den Namen „TKR“ ?

TKR: Das bleibt ein Geheimnis… ;)

OK. Du hast eben gesagt, du bist in Thüringen geboren worden, das war zu einer Zeit als Deutschland noch durch eine Mauer in zwei Teile geteilt war. Was für Musik hast du damals gehört bzw. zu welcher Art von Musik hattest du überhaupt Zugang?

TKR: Ja, das war eine schöne Zeit. Als die Mauer fiel war ich allerdings erst sieben / acht Jahre alt, da war noch nicht viel mit Musikgeschmack. Ich habe halt den üblichen Kram gehört, der im Radio lief.

Also ich habe mit fünf oder sechs liebend gerne Rolf Zuckowski gehört!

TKR: Bei uns gab es auch schöne Kinderliedermacher. Reinhard Lakomy zum Beispiel.
Nach dem Mauerfall wurde ich hauptsächlich durch meine ältere Schwester beeinflusst. Die hat Guns ‘n’ Roses oder Nirvana gehört. Und dadurch das MTV damals noch „cool“ war, liefen dort auch Sachen wie The KLF oder U96, aber ich könnte jetzt nicht behaupten, dass ich da ein Fan von war.

Wie bist du dann zum Dubstep gekommen?

TKR: Ich habe viel Drum & Bass gehört, seit 1998 aufgelegt und dann 2001 mit dem Produzieren angefangen. Ab 2007 habe ich dann Dubstep für mich entdeckt. Mit einem Kollegen habe ich vorher immer schon Breakz aufgelegt und bin da irgendwie so „reingerutscht“. Aber hauptsächlich lag es daran, dass ich nach fast zehn Jahren Drum & Bass mal was Neues für mich gesucht habe, da mich der Sound nicht mehr wirklich gekitzelt hat und alles gleich klang. Die tiefen, fetten Bässe waren wohl außerdem mitverantwortlich. ;)

Jetzt, wo der Wobble im Dubstep eingekehrt ist, Leute wie D-Bridge oder Instra:mental ganz neuen Sound in die Drum & Bass Welt bringen und Produzenten wie Synkro oder Scuba auch Tracks auf 170 bpm schreiben, hast du schonmal daran gedacht wieder zu deinen Wurzeln zurückzukehren und auch wieder Drum & Bass Tracks zu produzieren?

TKR: Ja, klar! Ich habe meinen ersten Halfstep Tune („Wormhole“) letzte Woche fertig gemacht und er wurde auch gleich bei Digilab Recordings gesigned. Im Moment arbeite ich auch gerade an einem Tune auf 170 bpm.

Wormhole? Eine Hommage an das bahnbrechende Album von Ed Rush & Optical?

TKR: Nein, aber ich wurde schon häufiger danach gefragt. Der Titel kam mir einfach so in den Sinn und die Referenz ist mir erst später bewusst geworden.

Was würdest du als deine hauptsächlichen Einflüsse beim Produzieren bezeichnen?

TKR: In den frühen Neunzigern wurde ich vorallem durch den aufkommenden Happyrave geprägt, wobei ich nebenbei auch viel verschiedene „Gitarrenmusik“ gehört habe. Danach bin ich durch’s Skaten viel mit Hip Hop in Kontakt gekommen, wie z.B. A Tribe Called Quest, Mos Def, Rakim, usw. Außerdem habe ich mich auch schon immer für House und UK Garage interessiert, vorallem für 2 Step.

Da ist Dubstep ja die perfekte Fusion aus all den Sounds…

TKR: Ja, auf jeden Fall! Ich bin auch sehr viel auf Technopartys unterwegs gewesen, zwei Produzenten, die mich immer sehr geflashed haben waren Alexander Kowalski und Johannes Heil.
Während dieser Zeit hab ich fleißig Drum & Bass aufgelegt und da waren Aquasky, Ram Trilogy, Total Science, Randall, Kemistry & Storm und viele mehr meine Helden!

OK, kommen wir zurück zu Dubstep. Was geht so in Jena und was sagst du zu der deutschen Szene im Allgemeinen?

TKR: In Jena geht fast nix, möchte ich mal so behaupten. Was die gesamte deutsche Szene angeht kann ich das gar nicht so genau sagen. Auf jeden Fall entwickelt es sich mehr und mehr. Jedoch hab’ ich leider das Gefühl, dass sich die Szene ein wenig entzweit in Bezug auf deepen Kram und Wobblers. Find ich persönlich ein wenig schade, da beides an einem Abend sehr schön ist.

Ich auch. Ich bin ein großer Freund einer gepflegten Spannungskurve.
Kommen wir mal auf deine Produktionen zu sprechen. Welchen Tune von dir selbst magst du am liebsten?

TKR: Ich glaube, dass ist eine Frage, die kein Künstler so richtig beantworten kann. Mein persönlicher Liebling ist aber “I Know”. Ich habe ihn für mein Mädel gemacht, er ist ihr gewidmet und wird wohl auf meinem Album erscheinen, an dem ich gerade sitze.

Gibt es schon Details zu dem Album, die du uns erzählen kannst?

TKR: Das Album wird definitv nicht auf Stoke Audio erscheinen, wahrscheinlich auf Futurism Records. Jedoch ist noch nicht alles klar im Moment, ich möchte es ja auch fertig haben. Aber einen Titel habe ich schon: es wird „Lost in Music“ heißen.

Warum bist du dir so sicher, dass es nicht auf deinem Label erscheinen wird?

TKR: Das liegt einfach daran, dass Stoke Audio noch ein recht junges Label und deshalb noch relativ unbekannt ist. Also habe ich mich dafür entschieden, es auf einem anderen, etablieteren Label erscheinen zu lassen.

Würdest du sagen es gibt einen Tune von dir, der dir den Durchbruch verschafft hat?

TKR: Ja, ich glaube das war der „BIG UP!“ (SCRUBADUB002 12″) mit Phokus und Mr Boogie zusammen, der weltweit so ca. 1400 Mal als Vinyl über die Theken ging. Außerdem war meine „Dub Express EP“ auf dem ehemaligen Barish Label (nun Biggerdubz) sehr erfolgreich. Mein Sound hat sich aber seitdem stark verändert. Er ist viel klarer und fetter geworden, da ich viel mehr Zeit und Arbeit ins Abmischen investiere.

Warum hast du dein eigenes Label gegründet?

TKR: Eigentlich war es so gedacht, dass ich Tunes, an denen kein anderes Label interessiert ist, selbst releasen kann. Es ist sehr schwer bei anderen Labels zu landen, da viel ihre Tore geschlossen haben. Jedoch habe ich mit meiner am 1. Juni erscheinenden Compilation „Listen To Stoke Audio (STOKEC001)” einen anderen Weg eingeschlagen. Ich habe andere Künstler und Freunde mit ins Boot geholt und habe nach Tunes gesucht, die zum Sound des Labels passen. Der Großteil der Artists, die auf der Compilation vertreten sind, haben ihre Tracks quasi eigens für diese Compilation geschrieben.

Hast du auch vor auf Vinyl zu releasen oder bleibt Stoke Audio ein reines MP3-Label?

TKR: Am liebsten würde ich jedes Release auf Vinyl veröffentlichen, aber das kann ich leider nicht bezahlen. Es wird aber sicherlich auch die eine oder andere Vinyl von Stoke geben.

Du bist bei Stoke Audio ja für alles komplett allein verantwortlich. Steckst du sehr viel Arbeit in das Label? Lohnt es sich überhaupt?

TKR: Auf jeden Fall ist es sehr harte Arbeit, wie ich meine. Vorallem wenn man alles alleine macht,
da man auf allen Social Networks und dutzenden Foren aktiv sein muss um den ganzen Kram zu promoten. Es macht Spaß, jedoch ist es manchmal schon hart ein Lächeln auf den Lippen zu behalten. Ohne Computer und Internet wäre das nicht realisiebar… Jedenfalls nicht für mich! ;)

Was machst du sonst so in der Freizeit, wenn du keine Dubstep Beats produzierst oder dein Label betreibst?

TKR: Naja, eigentlich bin ich Student für Wirtschaftingenieurwesen Ich wechsel aber ab Herbst den Studiengang und lass es im Moment ein wenig schleifen, aber pssst!!! ;)

Wer noch mehr über TKR und seine Machenschaften wissen will, checkt seine MySpace Seite, StokeAudio.com und dann gibt’s da noch diesen Tune den er zum Download auf seiner Soundcloud Seite anbietet!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s